Kataloge konsequent digital denken

Artur Wozniak-Feldmeier, Thorsten Hamann und Horst Huber

In einem Gespräch erforschen drei Experten die Bedeutung des digitalen Denkens im Kontext von Print. Eine mögliche Antwort auf diese Frage liegt in der Konzeption von Facetten-Publikationen. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr darüber. Die Teilnehmer des Gesprächs waren Artur Wozniak-Feldmeier, zuständig für alle Aspekte der Produktinformation bei WAGO, einschließlich Modellierung, Datenpflege, Prozessoptimierung und Übersetzungen sowie deren Veröffentlichung in verschiedenen Kanälen, Horst Huber, CEO der priint group und die Moderation wurde von Thorsten Hamann von Laudert übernommen. Die Originaldiskussion wurde für diesen Blogbeitrag gekürzt und angepasst, das Originalvideo finden Sie unter dem Beitrag.

Das Gespräch begann mit der Frage an Artur: „Was ist ein Facettenkatalog“?

Artur

Für mich persönlich ist der Facettenkatalog die Verwirklichung eines langgehegten Traums eines IT-Experten und Ingenieurs. IT-Experten denken in Regeln, Ingenieure arbeiten prozessorientiert, und diese Denkweisen spiegeln sich in den Facettenkatalogen wider. Facettenkataloge sind Kataloge, die konsequent nach Regeln aufgebaut werden. Bei WAGO definieren wir im Endeffekt komplexere Inhaltsverzeichnisse mit Regeln, und den Rest macht soz. die Maschine. Man kann sich Facetten grob wie einen Inhaltsbaum vorstellen, der die Regeln für den Katalogaufbau und die Anordnung der Produkte basierend auf ihren Eigenschaften festlegt.

Horst

In einem Satz ausgedrückt ist ein Facettenkatalog der strukturierte Weg, den Benutzer auf einer Website zurücklegen, ähnlich wie in einem Onlineshop, wo sie Kategorien und Filter verwenden, um zu ihren gewünschten Produkten zu gelangen.

Thorsten

Das Prinzip der Facettierung ist im E-Commerce schon lange bekannt. Was genau ist daran innovativ?

Artur

Der Vergleich mit einem Pfad ist treffend. Tatsächlich sind unsere Seitenüberschriften nichts anderes als eine automatisierte Breadcrumb-Navigation, die aus dieser Facettierung resultiert. Die Hauptaufgabe besteht darin, eine strategische Herangehensweise an die Produktaufstellung zu entwickeln. Wir definieren Regeln, die auf präzisem Produktwissen basieren und die Relevanz von Eigenschaften für Kunden bestimmen. Dieser minimale Aufwand ermöglicht es, verschiedene Varianten auszuprobieren und die Ergebnisse schnell zu analysieren.

Thorsten

Was unterscheidet den Facettenansatz von der klassischen Katalogproduktion?

Artur

Stellen Sie sich vor, wir haben Produkte, die einfache geometrische Formen wie Dreiecke, Kreise und Rechtecke sind. Für einen bestimmten Kunden möchten wir diese im Katalog präsentieren. Diese Formen haben neben ihrer Kontur auch Farben und können vollflächig gefüllt oder nur konturiert sein. Um einen Katalog zu erstellen, können wir einfach festlegen, dass wir zunächst Dreiecke und Kreise anzeigen möchten. Wir können aber auch sage, dass wir zuerst alle blauen und dann grünen Elemente möchten oder aber nach Vollfläche oder Kontur sortieren. Das ist vergleichbar mit der Filterung auf einer Website. Innerhalb dieser Gruppen können wir weiter unterteilen, zum Beispiel nach Farben. Diese Struktur und Reihenfolge können wir durch einfache Regeln festlegen. Mit dieser Methode haben wir bereits 500 Seiten für unseren ersten Katalog erstellt.

Horst

In der klassischen Methode erstellt man im PIM eine Ausgabestruktur für den Katalog und ordnet die Produkte in diese Struktur ein. Im Facettenansatz plant man jedoch nicht die konkreten Produkte, sondern die Regeln, die zur Laufzeit die Produkte generieren. Dies ermöglicht eine flexiblere Herangehensweise und weniger manuellen Aufwand.

Und der Unterschied in der priint:suite ist, dass man nicht die konkreten Produkte verplant. Bei der klassischen Verplanung würde ich sagen „ich will jetzt eine Struktur mit beispielsweise Abendkleidern“. Jetzt verplanen wir Regeln, also beispielsweise alle roten Kleidungsstücke. Und daraus entsteht die Struktur. Also der einzige technische Unterschied ist, dass ich nicht das konkrete Produkt plane, sondern die Regeln, die dann zur Laufzeit die Produkte entstehen lassen.

Thorsten

Jeder, der PIM-Projekte umsetzt, ist ja auch im Industriebereich oder auch im technischen Produktbereich Kummer gewohnt. Da reden wir über Produkte, die teilweise mehrere 1000 Eigenschaften haben. Wenn man nun nach Facetten verplant, und eben den Vorteil hat, dass neue Produkte automatisch in den Strukturen landen, was sind denn dann die Unterschiede in der Implementierung? Also bei der Umsetzung?

Horst

Die Implementierung der Templates ist ähnlich wie bei herkömmlichen PIM-Strukturen, aber die Templates sind flexibler und können autonom entscheiden, welche Informationen angezeigt werden sollen. In der aktuellen Hierarchie sind redundante Informationen obsolet, da sie sich bereits aus der Hierarchie ergeben. Dies führt zu einer effizienteren und flexibleren Nutzung der Templates.

Thorsten

Zu Beginn wurden Workshops mit WAGO durchgeführt, um zu ermitteln, wie Attribute horizontal und vertikal dargestellt werden sollen. Die Frage, die aufgekommen ist war, wie man die Tabellen für den Katalog am besten erstellt. Bei Modeprodukten ist das einfacher, da die Kundeninteressen klarer sind. Bei WAGO wurden Prioritäten für die einzelnen Attribute festgelegt, um zu wissen, welche Attribute in welchen Kategorien stehen. Das erleichtert das Erstellen der Tabellen erheblich. Wurden für die verbleibenden Attribute Rangfolgen festgelegt oder sind sie fest definiert?

Artur

Ja, wir haben eine zentrale Rangfolge festgelegt, die einfach zu pflegen ist und überall dort verwendet wird, wo sie benötigt wird. Was die Templates betrifft, müssen wir auch Aspekte wie Überlauf und Regeln berücksichtigen, die etwas mehr Aufmerksamkeit und Logik erfordern.

Horst

Insbesondere dann, wenn man aus einer Katalogsystemdenke kommt, bei der Hierarchien eher auf Einzel- oder Doppelseiten ausgerichtet sind.

Thorsten

Die Kataloge bei WAGO waren jahrelang durchstrukturiert und wurden von den Vertriebskollegen als Leitfaden für Verkaufsaktivitäten genutzt. Erhöht sich heute der Arbeitsaufwand, wenn neue Produkte eingeführt werden?

Artur

Definitiv haben wir Arbeit eingespart. Wir hatten klare Definitionen, was in den Katalog kommt und in welcher Reihenfolge. Die Produktmanager oder Einkäufer kamen nicht ständig mit Änderungswünschen, da alles von Anfang an definiert war.

Aber ich möchte klarstellen, dass es kein starres System ist. Man kann Ausnahmen von den Regeln definieren, aber das erfordert mehr Aufwand. Die Hürde für Ausnahmen ist höher als das einfache Verschieben von Inhalten auf einer Seite.

Thorsten

Ihr hattet bereits eine gute Datenqualität und eine hierarchische Struktur der Attribute. Horst, welche anderen Branchen oder Märkte könnten deiner Meinung nach von Facettenkatalogen profitieren? Wer ist die Zielgruppe für die priint:suite?

Horst

Der Facettenkatalog ist das beste Tool zur Überprüfung der Datenqualität. Es ermöglicht die perfekte Datensatzgestaltung, die die Benutzererfahrung in allen digitalen Kanälen verbessert. Zielgruppen sind Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Produkten, insbesondere im industriellen und technischen Bereich, die Produkte in verschiedenen Zielgruppenkontexten darstellen müssen.

Artur

Ich würde sagen, es ist einfacher, zu definieren, wo man es nicht verwenden sollte. Wenn alle Produkte so einzigartig sind, dass keine gemeinsamen Attribute oder Eigenschaften vorhanden sind, ist es möglicherweise nicht sinnvoll.

Thorsten

Es scheint, als ob dies der neue Standard sein sollte. Welche Argumente gibt es dagegen?

Artur

Selbst wenn es viele Ausnahmen gibt, bietet der Facettenansatz einen erheblichen Vorteil. Die Definition von Ausnahmen ist einfacher als das manuelle Anpassen von Inhalten.

Horst

Selbst wenn es viele Ausnahmen gibt, bietet der Facettenansatz einen erheblichen Vorteil. Die Definition von Ausnahmen ist einfacher als das manuelle Anpassen von Inhalten.

Zur Aufnahme des Gesprächs!

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