Coaching & Produktion: Wenn von heute auf morgen alles anders ist

Simea Merki vom Team morntag, ehemals haemeulrich.com, im Interview

Ende September 2020 haben Simea Merki und Corinne Ulrich gemeinsam mit dem f:mp einen Live-Workshop in Köln veranstaltet. Neben den interessanten Themen und Denkanstößen, die wir im Team bekommen haben, haben wir die Chance genutzt uns über die vergangenen Monate zu unterhalten und einen Blick in Richtung des priint:days gewagt.

Simea Merki ist Teil des Teams von morntag (ehemals haemeulrich.com). Auch für das Team hat sich in den vergangenen Monaten einiges verändert.

Erstmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, bei unserem Interview mit zu machen. Wie waren die letzten Monate bei Dir, vor allem unter Berücksichtigung von Corona Maßnahmen in der Schweiz?

Die letzten Monate waren turbulent. Wir hatten zwar intern weniger Umstellungen, da wir meistens schon im Homeoffice arbeiten, aber unsere Buchungen für Beratungen und Trainings und das Coaching sind total weggebrochen.

Übrig geblieben sind dann nur noch die Produktionsaufträge. Die Struktur der Arbeitsaufträge waren vor Corona zu 60-80 % Trainings- und Coaching-Kurse und weniger Produktionsaufträge. Von dem einen auf den anderen Tag hatten wir nur noch ein Projekt, welches wir bearbeiten konnten. Wir haben daraufhin unsere ganze Marketing Power auf die Produktion gelegt und konnten dann auch große Projekte starten. Inzwischen ist es aber auch gut, die Gewichtung mal anders erlebt zu haben.

Macht ihr jetzt auch Online-Trainings oder steigt Ihr einfach langsam wieder in die Live-Trainings ein?

Wir machen Beides: Wir haben sicher vor, Online-Trainings weiter durchzuführen. Zusätzlich machen wir noch die LinkedIn-Learning Videos. Davon haben wir jetzt ein paar mehr aufgenommen, weil wir dort Potenzial sehen. Es ist ja Online und man kann zeitversetzt und von überall auf der Welt lernen.
Mit Zoom-Meetings bin ich persönlich nicht so warm geworden: Bei Software Schulungen benötigt man manchmal die Möglichkeit, wo man kurz zu den Personen hingehen kann und ihnen zeigt, was sie genau machen müssen oder wo sie klicken können.

Zusätzlich fehlt bei den Online-Trainings die persönliche Interaktion und das gemeinsame Mittagessen. Der inhaltliche Wissenstransfer kommt schon rüber, aber der persönliche Kontakt und das Kennenlernen ist aus meiner Sicht einfach nicht dasselbe.

Wenn man an unseren priint:day nächstes Jahr denkt, dann liegt dazwischen eine völlig andere Realität und Ausgangslage. Habt Ihr schon eine Idee, was Ihr inhaltlich auf dem priint:day 2021 daher positionieren wollt?

Unser ursprüngliches Thema war: Innovation ist Herzenssache. Momentan haben wir eher nicht mit Innovationen zu kämpfen, die Corona-Zeit war ein Schub für die digitale Welt. Wir hatten in letzter Zeit oft Präsentationen über Distributed Work, also ortsunabhängige und verteile Teamarbeit, Homeoffice und Co. Und dabei sind wir oft auf Skepsis gestoßen. „Das geht doch nicht“ oder „Schön, dass es für dich funktioniert, aber ich könnte das nicht“ waren häufig die Reaktionen. Jetzt wo viele es getestet haben, gibt es meiner Meinung nach keine Gründe mehr, dass wir genau das nicht können.

Jetzt könnte man sich die Frage stellen: Wann macht es eigentlich Sinn, nicht Remote zu arbeiten?

Wenn man etwas Neues tut, dann sollte man auch dahinterstehen. In dieser Situation mussten viele etwas neues wagen, aber leider nicht aus eigenem Willen oder eigener Neugier. Die Erfahrungen zeigten diesen Personen vielleicht, dass es nicht so schlimm ist, remote zu arbeiten und es wäre schön, wenn sowas dann zu einer Herzenssache wird und auch bleibt. Man lernt immer wieder etwas Neues. Wenn man etwas macht, weil man muss, dann funktioniert das. Aber wenn man etwas macht, weil man es gern macht und weil man es will, dann funktioniert es besser.

Auf Social Media habt Ihr bereits bekannt gegeben, dass Ihr euch umbenennt. Wie kam es dazu?

Genau, der Name ist aus einem Renaming-Workshop entstanden. Dabei haben wir unsere Werte und unseren Antrieb in Worte gefasst: Wer wollen wir eigentlich sein? Was macht uns aus?

Dabei ist uns sehr wichtig, dass der Name nicht von Technik, Produkten oder Personen abhängig ist. Wir arbeiten als Team kollaborativ und alle sind gleichberechtigt. Außerdem werden wir nächstes Jahr eine GmbH - Auf einer Seite gibt das eine Entlastung, auf der anderen Seite ist es wichtig, dass die gleichen Personen immernoch dabei sind. An uns persönlich soll sich nämlich nichts ändern. Unsere Leidenschaft und damit der Claim bleibt auf jeden Fall.

Es ist ein großer Schritt, von der Personenmarke „Haeme Ulrich“, runterzukommen und dieses Branding auf eine komplett neue Schöpfung zu transportieren.

Es ist Kommunikationsarbeit, die wir jetzt leisten müssen. Haeme sagt immer, dass er froh ist, wenn nicht alles an seinem Namen hängt. Nicht, weil er nicht dahinterstehen würde, sondern weil wir alle gemerkt haben, dass es nicht stimmig ist, weil wir intern einfach so gleichberechtigt sind.

Wenn man wie Ihr, zwischen zwei verschiedenen Ländern arbeitet, sieht man bestimmt Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland?

Es gibt Kulturunterschiede, die ich beide sehr schätze. Zum Beispiel ist bei den Schweizern die Mittagspause sehr wichtig. Bei den Schweizern ist Mittag um 12 Uhr und da darf auch keiner stören. Genauso heißt es, dass die Deutschen immer überpünktlich Feierabend machen. Das sind aber Kleinigkeiten.

Ich hoffe, dass man in Zukunft mehr Gemeinsamkeiten sieht als Unterschiede. Man ist immer darauf fokussiert, wie anders alles ist und man sieht gar nicht was es für Gemeinsamkeiten gibt. Ich glaube, dass wir viel voneinander lernen können.

Vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast für diesen Einblick und wir freuen uns schon darauf Euch als morntag auf dem priint:day im kommenden Jahr begrüßen zu dürfen.

Über Simea Merki

"Komm, wir probieren mal."

...ist ihr Lieblingssatz.

Simea ist Teil des Familienbetriebs morntag, ehemals haemeulrich.com.

Dabei arbeitet sie vor allem online. Sei es auf den sozialen Medien, mit WordPress, Texte, Design und immer mal wieder was anderes.

Kreativität macht Spass, auch sonst im Leben. Mal layouten, dann musizieren. Mal texten, dann designen.